Kunst, Kultur – und Unternehmertum?!

Kunst Kultur Unternehmertum klein

Siglinde Lang (Hg.) Kunst, Kultur – und Unternehmertum?! Aspekte, Widersprüche, Perspektiven – Eine österreichische Studie

Zahlreiche Kunstschaffende entwickeln aus einem künstlerischen, existenzsichernden und oft auch soziokulturellen Anliegen »ihr eigenes Ding«: Sie veranstalten ein Festival, performen im virtuellen Raum oder machen sich mit der Gründung eines Musiklabels selbständig.
Solche Initiativen lassen Handlungslogiken und Erwerbsstrukturen abseits neoliberaler, profitorientierter Prämissen entstehen und leisten damit einen kaum wahrgenommenen Beitrag zum aktuellen Kunst- und Kulturgeschehen: Sie machen bis dato marginalisierte und/oder aufkommende zeitgenössische Kunstströmungen sichtbar und schaffen kulturelle Infrastrukturen und Arbeitsplätze.
Die Studie beinhaltet neben einführenden Texten neun Interviews mit Kunstschaffenden in Österreich und greift aktuelle Diskurse des Triangels Kunst, Gesellschaft und Ökonomie auf. Jenes Narrativ versucht, das bisher kaum erforschte Feld »Arts Entrepreneurship« in der Fachliteratur zu verankern.

Interview mit Eva Fischer

Exzerpt:

Wie schätzt du die Nachhaltigkeit des Festivals ein beziehungsweise wo siehst du dein Festival und dich selbst in 5 Jahren? Welche Ziele verfolgst du demnach?

 

Es ist schwierig, ein Festival wie dieses ohne größere strukturelle Förderungen zu erhalten. Die Nachhaltigkeit basiert nach wie vor auf der Bereitschaft des Teams, das Festival trotz gemeinnütziger Arbeitsstunden weiterzuführen. Glücklicherweise steht der Profit für keinen von uns im Vordergrund und solange sich das Festival mit unseren „Brotjobs“ gut vereinbaren lässt, gibt es genügend motivierende Gründe, das Festival weiterzuführen. Wir kämpfen nach wie vor um höhere Förderungen und versuchen, Möglichkeiten der Finanzierung auszuloten. Wir befinden uns auf einem guten Weg und daher bin ich guter Dinge und sehe das Festival in der einen oder anderen Form auch noch in 5 Jahren.

Du hast bemerkenswert viel Berufserfahrung gesammelt; als Kunstvermittlerin, VJ, Kuratorin, Unternehmerin, Lehrende… Welche konkrete Berufsbezeichnung würdest du dir selbst geben oder wie sieht deine Eigendefinition aus?

Ich bezeichne mich selbst als Kuratorin, Visualistin, künstlerische Leiterin des sound:frame Festivals oder als Dozentin, je nachdem. Es gefällt mir, dass ich in mehreren Berufsfeldern tätig bin, da ich das Gefühl habe, alle Bereiche würden sich wunderbar gegenseitig befruchten. Ich profitiere als Kuratorin beispielsweise sehr davon, auch die Sicht der Künstlerin nachvollziehen zu können und natürlich umgekehrt. Auch wenn es nicht immer leicht ist, alles unter einen Hut zu bekommen, habe ich das Gefühl, für mich selbst mittlerweile recht gut herausgefunden zu haben, was meine Prioritäten sind. Mein Herz schlägt für das Kurtieren, das Vermitteln von Inhalten und Programmen und vor allem das Netzwerken – Kontakte mit KünstlerInnen und Menschen zu pflegen, neue spannende Leute kennenzulernen und sie alle miteinander zu verbinden.